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Ferienwohnung einrichten: Warum manche Räume sofort ruhiger wirken – und andere nicht

  • vor 2 Tagen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen

Willkommen in Ihrem Ferienhaus. Die Frage ist: Ist dies ein guter Ort mit leichtem Einstieg oder müssen Sie sich erst einmal orientieren und den Lieblingsplatz mühsam suchen? Ich stelle beide Möglichkeiten gegenüber und zeige, wie Gäste happy in ihrem Urlaubzuhause anlanden.


Variante No. 1: Einfindungszeit vonnöten

Ankommen und rein ins Haus: Sie stehen im kleinen Flur und bleiben direkt einen kurzen Moment lang stehen, obwohl Sie eigentlich weitergehen wollten. Was ist da los? Hier ist bereits einiges zu sehen: Links neben der Tür ist ein Einbauschrank, gegenüber des Eingangs eine Wandgarderobe. Stauraum hilft, da stimmen Sie sofort zu. Ihr Blick schweift zum Boden zu der Stelle rechts, an der die Fliesen von Holzdielen abgelöst werden, der Raum sich öffnet. Jetzt gehen Sie weiter. Links geht es in den offenen hellen Wohnbereich, rechts liegt eine Tür, vermutlich das Schlafzimmer. Geradeaus führt ein schmaler Durchgang mit kleinem Fenster am Ende zu weiteren Türen.

Mh. Irgendwie ist alles da, aber nichts sagt Ihnen eindeutig: „Hier entlang.“ Also schauen Sie kurz rundum, entscheiden sich und gehen los – so ein bisschen wie im Supermarkt, wenn Sie plötzlich nicht mehr wissen, was Sie eigentlich holen wollten.


Wo die Vasen tanzen: Warum eine unklare Einrichtung in Ferienwohnungen Unruhe erzeugt

Im Wohnraum… ist ganz schön was los: Das Sofa steht ein bisschen zu quer im Raum, so als würde es sich alle Möglichkeiten offenhalten. Dahinter ein Regal mit offenen Fächern, in denen Bücher, bunte Vasen und kleine Dinge stehen. Alles scheint sorgfältig kuratiert und soll sich präsentieren. Was diese Dinge auch tun, mit Ausdauer. Oha! Da hat das Auge etwas zu tun.

Der Esstisch steht zwischen der Küche mit offenen Regalen und dem Wohnbereich, sozusagen genau dazwischen – wie jemand, der sich noch nicht ganz entschieden hat, ob er schon dazugehört oder noch kurz abwartet.

Am großen Fenster rechts steht ein Sessel mit Lampe, nicht in klarem Winkel zum Sofa, offenbar offen für alles. Sie gehen ein paar Schritte, setzen sich kurz, stehen wieder auf, gehen direkt zum Fenster, drehen sich um und schauen noch einmal, als würde sich gleich noch erschließen, was Sie bisher einfach nur übersehen haben. Alles tanzt. Nochmal „Oha!" statt der erwarteten Euphorie.


Echtes Urlaubszuhause? Fehlanzeige.

Sie suchen das Schlafzimmer, das Bad und alle weiteren Räume auf. Im ganzen Haus geht’s exakt so weiter. Es ist alles da – und trotzdem wirkt alles ein bisschen instabil, zusammengestellt, nicht in Harmonie. Genau solche Räume führen dazu, dass Gäste bei Eintritt nicht sofort im Urlaub sind. Die Gäste begutachten und probieren herum, aber es dauert, bis sie wirklich mal durchatmen können, weil Eingewöhnung nötig ist. Die Suche nach der Komfortzone mit ein bisschen eigenem Schieben hier und da führt dann vielleicht noch zum perfekten Ergebnis – manchmal aber auch nur zu einem leicht konsternierten „Ich lasse es jetzt einfach so. Seufz“.


Variante 2: Don´t stress - relax!

Dann ist da dieses andere Haus. Die Tür geht auf, der Raum wirkt weit, der Boden läuft durch, Ihr Blick geht nach vorne und Sie laufen einfach mit, ohne dass Ihre Füße abbremsen müssen.

Vor Ihnen liegt das Wohnzimmer und – hurra – es ist sofort verständlich. Und wieso? Weil für den Großteil der Flächen angenehme, aber unauffällige Farben gewählt und Akzente sorgsam gesetzt wurden, weil eine offene Treppe für Leichtigkeit sorgt und am Badezimmer ein schlichtes, aber dekoratives Schuld hängt. Alles erscheint speziell durch Farbgebung, Zurückhaltung, Information und logische Fluchten einfach ein bisschen mehr in einem Guss: Das Sofa steht in einem klaren 90-Grad-Winkel zum Fenster, der Tisch davor wartet ohne Klimbim auf und ein Sessel steht so, dass er ins Ensemble passt und spürbar „richtig“ steht (also genau da, wo man ihn selbst hinstellen würde). Der Esstisch ist klar gesetzt, einladend mit einer schlichten Blumenvase und Tulpen dekoriert, und nimmt den Raum, in dem er steht, als feste und abgegrenzte Station ein. Die Küche hält sich angenehm zurück – es gibt glatte helle Fronten unten, wenig open space, oben eine Frontlinie aus hellem Holz. Urlaubsreife Menschen gehen in diese Wohnung hinein, stellen ihre Taschen ab, setzen sich – und atmen durch. Weil die Harmonie wirkt.


Der feine Unterschied

Der Kontrast ist nicht groß, aber ziemlich eindeutig: Im ersten Haus gibt es viele spannende Ideen, die parallel und für sich laufen, im zweiten Haus wurde deutlich auf die Ausgeglichenheit des Interieurs geachtet. Und genau Letzteres ist der Punkt: Viele Ferienhäuser sind nicht unruhig, weil sie schlecht gestaltet sind, sondern weil die Eigentümer:innen nicht festlegen, was gerade wichtig ist. Sie lassen beim Einrichten ihrer Ferienhäuser vieles zu, was zunächst großzügig wirkt, am Ende aber dazu führt, dass der Gast selbst sortieren muss. Und das will er doch gar nicht – er will runterkommen, abschalten, nichts tun außer erste Urlaubsvibes zu genießen.


Der Punkt, an dem Gäste entweder bleiben oder noch mal aufstehen

Mit der bewussten Einrichtung einer Ferienwohnung entscheidet sich, ob ein Wohnraum sofort einladend wirkt, er als Oase wahrgenommen wird – oder als eine Unterkunft, in der man sich erst finden muss. Ein gut aufgestelltes Ferienobjekt zeichnet sich dadurch aus, dass Möbel, Blickachsen, Farben und Nutzung klar aufeinander abgestimmt sind. Es geht um eine Harmonie im Raum, die die Funktionen offensichtlich und intuitiv handhabbar macht.


Bei BOJE 30 | Wohnkonzept & Text geht es mir darum, die für Vermieter:innen und Gäste gewinnbringenden Eigenschaften zu priorisieren und Räume so zu entwickeln, dass sie nicht nur gut aussehen, sondern sich auch sofort richtig anfühlen. Denn am Ende ist es ziemlich einfach: Wenn man reinkommt und direkt sitzt, ist es gut. Wenn man zunächst kurz stehen bleibt und überlegt, hat der Raum noch etwas zu klären.


Wenn Sie mehr zum Thema „Rückzugsorte“ wissen wollen, klicken Sie hier.


 
 
 

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